Was ist Osteopathie?

Das Besondere an Osteopathie ist die ganzheitliche medizinische Herangehensweise zur Untersuchung, Diagnose und Therapie. Daher betrachten Osteopathen bei einer Behandlung Menschen und ihre Krankheitsbilder immer mit allen Zusammenhängen.

Die Anfänge der Osteopathie liegen im Ende des 19. Jahrhunderts. Der amerikanische Landarzt A. T. Still entwickelt zu dieser Zeit das Konzept, welches Körper und Seele als Einheit betrachtet. In der Literatur wird Osteopathie damals wie heute oft als Wissenschaft, Kunst und Philosophie zugleich beschrieben. Osteopathie kann als Alternative oder Ergänzung zur Schulmedizin angewendet werden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählt sie zur Alternativ- und Komplementärmedizin. Das Ausüben von Osteopathie ist Heilkunde und darf in Deutschland nur von Ärzten oder Heilpraktikern selbstständig ausgeübt werden. Es gibt verschiedene Strömungen in der Osteopathie, die alle der (Wieder-)Herstellung des Gleichgewichts (Homoöstase) im Körper und im gestörten Gewebe dienen:

  • parietale Osteopathie: Behandlung von Gelenken, Muskeln, Sehnen, Bändern und Faszien
  • craniale Osteopathie: Behandlung von Gesichtsschädel, Schädelbasis, Kopfgelenken und Neurocranium
  • viscerale Osteopahie: Behandlung der inneren Organe deren Umgebung und Versorgung

Wem kann Osteopathie helfen?

Osteopathie beinhaltet die individuelle Behandlung von Säuglingen, Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in allen Entwicklungsstadien und Lebensphasen. Durch den ganzheitlichen Therapieansatz betrachten Osteopathen alle Teile des Körpers und lindern Beschwerden von Kopf, über Stamm und Rücken, hinzu Armen und Beinen. Viele (werdende) Eltern schätzen Osteopathie als Vor- und nachgeburtliche Betreuung.

Es gibt jedoch Krankheitsbilder, die durch Osteopathie nicht geheilt werden können. Dazu zählen Notfälle (z.B. Herzinfarkt, Lungenembolie, Schlaganfall) und Infektionskrankheiten (v. a. die, die dem Heilpraktiker zur Behandlung untersagt sind). Bei Krebspatienten kann Osteopathie nur unterstützend helfen – bei ihnen ist eine schulmedizinische Abklärung unerlässlich. Kritische Unfallchirurgische und orthopädische Fragestellungen (z. B. Frakturen, Bänderrisse, Cauda aequina-Syndrom) erfordern meist zwingend eine Erstversorgung. Hier können Osteopathen wie bei zahnheilkundlichen Fragestellungen nur nachgelagert in Absprache mit dem jeweiligen Facharzt agieren.

Was zeichnet einen Therapeuten aus?

Laut einer Studie des Verbands der Osteopathen Deutschland e.V. (VOD e. V.) ließ sich bis 2018 fast jeder fünfte Bundesbürger schon einmal osteopathisch behandeln. Die Mehrheit der Befragten hält es für wichtig, dass die osteopathische Praxis gesetzlich geregelt ist.

Bisher gibt es aber kein Berufsgesetz für Osteopathen und deren Ausbildungen unterscheiden sich in Deutschland gravierend. Wollen Patienten sicher sein, nach dem höchsten Standard behandelt zu werden, sollten sie bei der Wahl der Praxis für Osteopathie auf folgende Qualitätskriterien achten:

  • Neben der Heilpraktiker-Erlaubnis kann der Osteopath ein vier- bis fünfjähriges Studium mit mindestens 1350 Ausblidungsstunden nachweisen. Die Dauer des Studiums variiert je nach
    Hochschule/Osteopathieschule.
  • Der Therapeut führt neben dem Heilpraktikertitel einen akademischen Grad (Master of Science bzw. Bachelor of Science).